Donnerstag, 4. September 2014

Sag zum Abschied leise Servus...







Heute Morgen um 8 fiel der Startschuss für das letzte Kindergartenjahr des Kleinsten, dem jetzt höchstwahrscheinlich stolzesten Vorschulkind der Welt. In zwei Wochen sind dann auch die Sommerferien für die anderen beiden vorbei und für meine Tochter wird das kommende Jahr das letzte Jahr in der Grundschule sein.

Für mich ist das ein guter Zeitpunkt, um mit dem Bloggen aufzuhören. 

Weil "leise" nicht unbedingt zu den Top 5 meiner persönlichen Charaktereigenschaften-Liste zählt, strecke ich an dieser Stelle also den Zeigefinger gen Himmel und brülle "FOLLOW YOUR FUCKING HEART!" - denn das ist er, mein Grund, nicht länger an Familienfreundlich zu schreiben.

Ich widme mich anderem. Vielleicht gründe ich ein Planungsbüro für Kindergeburtstagsfeiern oder ich lerne Italienisch. Womöglich eröffne ich auch einen Online-Shop für, öh, Sachen, oder ich werde Kaffeehausbesitzerin. Eventuell beginne ich ein Architekturstudium, fange doch noch an zu joggen, schreibe ein Buch und, himmelhilf, bezwinge die Bügelwäsche. Es könnte allerdings auch sein, dass ich einfach genauso weitermache, wie bisher. Ich schreibe es nur nicht mehr auf.

Ganz bestimmt aber werde ich irgendwo sitzen und meinen drei Kindern beim Sein zusehen. Dem Kleinsten beispielsweise dabei, wie es sich auf einem der schönsten Flötotto-Stühle aus den 70ern, die mir meine Beste am Wochenende geschenkt (!!) hat, direkt neben mir dreht wie auf einem Karussell, während ich versuche, ein Bild für den letzten Post zu machen.




Ich werde also nicht mehr zu ergoogeln, sondern nur noch in echt zu treffen sein. Beim Schweden beispielsweise, oder im Buchladen, in der Papeterie oder verwirrt vor dem Regal im Supermarkt, in dem bis gestern noch die liebste Feigensenfsosse stand, auf dass ob der steten Umräumerei von Kunden wie mir beim Einkaufen gleichzeitig auch etwas zur Demenzprävention getan werden kann.

Eine einzige, technisierte Kontaktmöglichkeit bleibt aber  - familienfreundlich-blog@web.de - für Angebote zur Vertonung von Kinderbüchern oder für den Fall, dass sich endlich jemand erbarmt und eine Küchenmaschine in meine liebevollen Hände abgeben mag.

Es war mir die letzten dreieinhalb Jahre ein außerordentliches Vergnügen, euch zu unterhalten. Ihr wart mir eine grandiose Leserschaft.

Danke für alles. 



Alle(s) Liebe - 
San 








Samstag, 26. Juli 2014

Bücherliebe - Im Garten der Pusteblumen...






Uiuiuiuiui. Das wird schlimm, ganz schlimm. Wenn der Zeitpunkt kommt, ab dem auch das Kleinste zu groß für Kinderbücher ist. Wenn alle meine drei Kinder selbst lesen können und das auch wollen, für sich, nämlich Ella oder Pfärdäbücher oder Greg und ich deswegen nicht länger mit zugehaltener Nase "Kamfu mir helfen" vertonen darf oder die fiese Echse mit Patenstimme beim Superwurm oder mit rotem Kopf "NIE IM LEBEN WERD ICH EUCH MEINE TOCHTER GEBEN!" brüllen kann. 

Wobei... Letzteres könnte vorkommen, durchaus. Öh. 

Wenn meine Kinder also jedenfalls nur noch mit viel Glück vorgelesen haben möchten, das dann aber nicht länger Bilderbücher betreffen wird, wird das schlimm. Ein Leben ohne neue Vorlesekinderbilderbücher. Ganz schlimm wird das. 

Self-fulfilling prophecy? Mitnichten! Der automatische, der selbstverständliche, der nicht beeinflussbare Lauf der Dinge!

Gelegentlich muss ich mir mehr einreden, dass es ganz toll ist, wie groß meine Kinder schon sind, als dass ich es wirklich fühle. Wie toholl, so selbstständig. Aus dem Gröbsten raus. Dass jedes Alter seine Besonderheiten hat, seine schönen Besonderheiten. *mantraende

Was mache ich bloss, wenn sie erst wirklich alt sind, meine Kinder? So... 14? Wird das Vorsagen dann auch noch helfen?

Natürlich ist es praktisch, dass ich vieles alleine mit ihnen unternehmen kann, mittlerweile auch Gefährliches wie baden gehen oder Unübersichtliches wie Erlebnisparks. Nicht, dass ich das wollte, aber meistens muss ich und jetzt funktioniert das auch problemlos. Selbstverständlich bin ich stolz, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin und sich jemand umdreht, um sich zu vergewissern, dass diese grandiosen, großen drei auch wirklich alle zu mir gehören.

Dennoch ist es tatsächlich hin und wieder notwendig, es mir selbst vorzusagen, das Toholle, damit ich es annehmen kann - aus gutem Grund!

Weiß ich doch sehr genau, dass sie sich unaufhaltsam zum eigenen Leben hin entwickeln, meine Kinder. Das soll so, klar soll das so, aber derart rasant? Da kommt doch keiner mit! Trotz der vielen, unbestritten positiven Neuerungen im "Werden" meiner Kinder gibt es nämlich zeitgleich genau so vieles, das zurückbleibt, das im Zuge des Wachsens unwiederbringlich verloren geht. Und zum Loslassen, ich gebe es unumwunden zu, bin ich eben bisweilen nur sehr bedingt bereit.

Aber man kann ja nicht noch ein viertes Kind bekommen, nur weil das so gut duftet und in den ersten Wochen dieses entzückende, quäkige Babyweinen weint und weil es so lustige Dinge sagt, wenn es zu sprechen beginnt und wegen der Kindergeburtstage, die man zu Hause gestalten darf und wegen der Bilderbücher. Oder? Kann man?

Eine Weile werde ich auf alle Fälle noch festhalten dürfen, an den Kinderbüchern und am Vorlesen, immerhin. Das macht mich umso froher, zumal die Bücher sind, wie meine Entdeckung der Woche und obwohl bereits 2013 erschienen, für mich gleichzeitig DIE Kinderbuchentdeckung dieses Jahres: "Im Garten der Pusteblumen", poetisch geschrieben von Noelia Blanco und atemberaubend schön illustriert von Valeria Docampo.

Mein lieber Mann.

Selten habe ich ein derart hinreißendes Kinderbuch in Händen gehalten. 

Ein Buch, das man nicht brüllen kann. Oder das wie andere mit verstellter Stimme und Händen und Füßen vorzulesen ist. Das ist ein Buch, das man flüstert. Ganz unabsichtlich...


Der Klappentext:

"Im Tal der Windmühlen lebten Männer, Frauen und Kinder, genau wie überall. Bis eines Tages die Perfekten Maschinen kamen. Die Bewohner des Windmühlentals mussten nur auf einen Knopf drücken, um in einer perfekten Welt zu leben. Perfekt und langweilig. So kam es, dass alle aufhörten zu wünschen. Alle, bis auf Anna..." 

Die Menschen im Windmühlental brauchten die Sternschnuppen nicht länger zum Erfüllen ihrer Wünsche und vergassen sogar die alten Windmühlen und den Wind, der sie drehte. So kam es, dass der Wind aufhörte, zu blasen.

Nachts, wenn alle anderen schliefen, blieb einzig die Schneiderin Anna wach und sie, der noch immer einer der im Herzen des Tals schlummernden versteckten Wünsche gehörte, traf in einer dieser Nächte auf den Vogelmann und - dessen Herzenswunsch...

Wie bringt man einen Riesen zum Fliegen, als wäre er eine Feder? 



Herausgegeben wurde "Im Garten der Pusteblumen" vom Mixtvision Verlag.

Ein Verlag, der ganz offensichtlich ein Händchen für ausgesprochen besondere Bücher hat. Mein Sohn teilt sich sein Zimmer mit "Stuart Horten", dem letzten Post, einem wie ich finde sehr berührenden "Kurz und k(n)ackig", liegt eines der Lieblingsbücher des Kleinsten zugrunde, nämlich "Wolkenbrot" und auch einen weiteren familieneigenen all-time favorite aus diesem Haus habe ich bereits vor einiger Zeit hier vorgestellt: "Die große Wörterfabrik".

Vielleicht hat mich "Im Garten der Pusteblumen" auch deswegen bereits nach einer Millisekunde angesprochen, weil es wie die Wörterfabrik von Valeria Docampo illustriert wurde. Unfassbar, dass jemand so zeichnen kann. Aus jedem einzelnen ihrer Bilder strahlt sie einem förmlich entgegen - die pure Herzenswärme. 

Derzeit kann man übrigens für "Die große Wörterfabrik" beim The Beauty and the Book Award abstimmen: Die schönsten Bücher aus aller Welt treffen sich auf der Frankfurter Buchmesse 2014. Vom schönen Buchdetail über das beste Layout, den tollsten Schriftsatz bis hin zum gelungensten Cover oder der überzeugendsten Grafik wird gewählt.

Und dazu möchte ich doch an dieser Stelle in aller Deutlichkeit aufrufen! :)


 
Bei der nächsten Pusteblume werde ich mir, abschließend, vielleicht wünschen, dass ich noch ganz lange neue Kinderbücher kaufen darf. 

Oder vielleicht kann ich das "vielleicht" sogar weglassen. Denn wenn ich meinem Sohn zusehe, wie er mit nackten Schuhgröße-40-Füssen auf dem Sofa liegt, "Im Garten der Pusteblumen" liest, mit einem Lächeln im Gesicht und wie er das Buch mit den Worten "Och. Das ist aber schön!" zuklappt, könnte ich doch einfach damit weitermachen. Sogar für immer. Es hat mir schließlich niemand vorzuschreiben, welche Bücher ich kaufe. Und für wen. Denn ein richtiges Kinderbuch ist "Im Garten der Pusteblumen" sowieso nur bedingt. Eigentlich nämlich sollte dieses Zauberwerk jeder haben. Um über das Cover zu streichen. Und es lesezuflüstern. Auch im fortgeschrittenen Alter, also nach 14. Und man sollte es wirklich auch ganz dringend verschenken an alle, die man mag. 

Da ich jetzt also einen Wunsch frei habe, kann ich mir bei der nächsten Pusteblume das Kleid von Anna wünschen. Oder, so zeichnen zu können wie Valeria Docampo.

Wer weiß.






Alle(s) Liebe -
San







Sonntag, 20. Juli 2014

Sonntagsmusik! Paolo Nutini singt den Sommerabend...








Ich empfinde es zunehmend als irritierend, dass meine Erzählungen immer häufiger mit der Formulierung "Vor vielen Jahren..." beginnen. 

Noch diesen Monat werde ich 35 und selbstverständlich ist es in diesem Alter nur natürlich, das ein oder andere bereits erlebt zu haben. Allerdings beunruhigt mich, wie locker ich mittlerweile Zurückliegendes mit Hilfe von 10- oder sogar 15-Jahres-Schritten datieren kann. Noch viel beunruhigender, fast schon verstörend finde ich in diesem Zusammenhang etwas anderes: nicht die Tatsache, in Kürze 35 zu sein alarmiert mich, sondern die Erkenntnis, dass dem unweigerlich ein ganz besonderer 15er-Schritt nach vorne folgt: der zur 50. 50!!

Krass.

Ich komme nicht umhin, für die heutige musikalische Empfehlung den oben beschriebenen Terminus dennoch zu nutzen:

Vor vielen Jahren (KRASS! 50!!) hat mich "These streets" von Paolo Nutini durch einen grandiosen Spanien-Urlaub begleitet. Um Nummern wie "New shoes" oder "Jenny don´t be hasty" zu kennen, muss man die 2006 erschienene Platte nicht haben. Für "Autumn" oder "Last request" jedoch schon.




Herrn Nutini das erste Mal unbesehen hörend war ich sicher, einem Mann im dritten Frühling zu lauschen. Die Statur eines Cousins zweiten Grades von Luciano Pavarotti, das Gesicht des Zwillingsbruders von Mario Adorf in den 90er Jahren. 

Dann habe ich Bilder von ihm gesehen.

Hui.

Das Album war gekauft.

Hu-i.

Kann man, wenn man diese warme, volle, tragende und voluminöse Stimme hört glauben, dass der Mann erst 1987 geboren wurde? 2006, bzw. 2007, als Paolo Nutini für mich den Sommer sang, war er gerade 19 Jahre alt. 

2009 erschien sein zweites Album: "Sunny side up". Das habe ich verpasst. 2009 bekam ich mein drittes Kind. In diesem Zeitraum entging mir wahrscheinlich mehr als diese eine Platte.

In den vergangenen 8 Jahren hatte ich mir "These streets" zwar immer wieder ausgesprochen gerne angehört, fühlte ich mich dabei doch sofort in den Sommermodus versetzt - leicht, entspannt, zufrieden, aber auf die Idee herauszufinden, ob es noch mehr Nutini gäbe, kam ich trotzdem nicht.

Im Frühjahr sah ich ihn dann zufällig in einer Werbepause auf einem Privatsender. Paolo? Echt jetzt? Gabs den überhaupt noch? 



Oh. Ja. Und wie es ihn gibt!

Zugegeben, in "Caustic love" musste ich mich anders als bei Nutinis Erstling zunächst einhören, mich langsam an die bisweilen eigenwilligen und für mich eigentlich zu rockigen, nichtsdestotrotz so souligen Rhythmen gewöhnen. Für mich ist "Caustic love" keine Platte auf das erste Ohr. Jetzt aber könnte ich mir einen Sommerabend ohne sie nicht mehr vorstellen.





Wenn ich Ihnen also heute Schnuckelchen Paolo Nutini ins Gehör und damit automatisch ans Herz legen darf? Dann fangen wir mit
 

an. Und setzen "Better man" und "Iron sky" obendrauf.

Der akustische Sommer. Vertont von einer Stimme, die sich mit 27 anhört, als habe sie schon alles erlebt. So, als erzähle sie die Welt.

Danke, Paolo.




Habt. Es. Großartig.
Alle(s) Liebe - 
San









Dienstag, 15. Juli 2014

Ein marmeladiger Gartenpost. Mit Unkraut. Aber vor allem mit { Wilder Pflaume, Lavendel und Vanille }. Oohh, mmmmhh.









Das Tragische an unserem Garten ist nicht, dass er klein ist.

Das Tragische an unserem Garten ist sein ungenutztes Potenzial.

Klar kann ich darauf kein Gewächshaus in der Dimension wie das meines trotz der Hasengeschichte (!) zauberhaften Bruders, seines Zeichens Schreiner, Landschaftsgärtner und seit neuerdings bei einem Steinmetz beschäftigt, aufstellen. Ein Gewächshaus aus anthrazitfarbenem Stahl mit der Quadratmeterzahl eines durchschnittlichen deutschen Kinderzimmers. Ein Gewächshaus mit zu öffnenden Dachflächenfenstern. Ein Gewächshaus mit einem Aufgang und Trittplatten aus Granit und buchskugelumrandet, in dem, überflüssig zu erwähnen, alles wächst, was man sich nur wünschen kann. Selbst lila Tomaten und eine lustige, u-förmige Gurke, die letztes Wochenende den Weg zu uns gefunden hat, längst verputzt wurde und bei deren Anblick das Kleinste verzückt "Oh! Die sieht ja aus wie ein PFERDEREIFEN!" rief. ("Technisiertes Landkind" nennt man sowas. ;) )

Selbstverständlich beneide ich, ganz zauberhafte Schwester, den Bruder deswegen nicht. Kein bisschen. Also, kein kleines bisschen nicht. Ole, bayerische Doppelverneinung. 

Aber zumindest ein Hochbett? Und Beerensträucher? Und Kräuter? Und Spalierobst statt des Weines? Das könnte er, der kleine Garten, theoretisch durchaus.

Ideen zur Gartengestaltung hab ich nämlich schrillionenfach. Ich wüsste genau, wie er auszusehen hätte. Wie ich das ungenutzte Potenzial in ein wenigstens kulinarisches Stück Altersvorsorge verwandeln könnte. 

Das mache ich auch. Irgendwann. Gleich, nachdem ich einen Minibagger gemietet und das Moos durch Rasen ersetzt habe. Und Beete angelegt und Rasenkanten gesetzt wurden und alles, was auf und um unser Fleckchen Wiese teils seit 1899 der Sonne entgegenstrebt, versetzt oder ausgegraben wurde, weil der Garten nicht eben neu angelegt, sondern seit zig Jahren ergänzt oder geplättet und im Lauf der Jahrzehnte von vielen verschiedenen Gärtnern gestaltet worden ist. Gleich danach!

Bis dahin bleibt er, der Konjunktiv. Dummerweise bräuchte ich nämlich nach dem Minibagger für die Umsetzung der vorsorglichen Einmach-Ideen mindestens vier Wochen Zeit. Am Stück. Ohne anderes. Und dreimal so viele Euros, wie diese Wochen Stunden haben. Das macht es schwierig.

Stattdessen setze ich hier ein Buchshecklein und pflanze dort eine Pfingstrose, verlege da eine Begrenzung aus alten Ziegelsteinen und stehe ansonsten rum, genieße, ehrlichwahr, was ich jetzt bereits Wunderbares habe und stelle mir dennoch vor, was wäre, wenn.

Wie unser Garten übrigens anfangs, vor über hundert Jahren, ausgesehen hat, weiss ich leider nicht. Anders als von unserem Haus, vor dem früher längst gefällte Kastanien standen und das zweiflügelige Fenster mit Oberlichten und ein Treppenhaus dort hatte, wo jetzt unsere Küche ist, gibt es davon kein Bildmaterial. Vor sechzig Jahren aber war das Gärtchen Erzählungen zufolge ein Rosengarten. Noch immer wachsen ungepflegte wilde, gefüllte und ungefüllte Bauernrosen in ihm und im Innenhof blüht bis November ein fast 50 Jahre altes Exemplar, das nach Zitrone duftet.

Von dem, was ich, und an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, wie bedeutsam diese Entwicklung bei jemandem ist, der sich zu WG-Zeiten alle drei Monate für 9 Mark 90 (!) einen Dreierpack Zimmerpflanzen in der Papiertüte aus dem Baumarkt geholt hat, von dem jedenfalls, was ich erfolgreich selbst gepflanzt habe ganz abgesehen, macht unser Garten vieles selbst. 

Kein Scherz.

Der Läuseholunder hat sich beispielsweise von alleine ausgesamt. Logisch. Schließlich hätte ihn  n i e m a n d  freiwillig an die äußere Ecke einer alten Garage IN EINE PFLASTERFUGE gesetzt, wo er weder genug Erde und somit Wasser hat, was den Läusebefall erklärt, noch Platz, was wiederum erklärt, weswegen man das Garagentor nicht mehr öffnen kann. 

Manchmal entdecke ich, entzückt, an neuen Stellen in unserem Garten Akeleien oder Veilchen, die sich selbst verbreitet haben, Traubenhyazinthen und Tulpen im Frühjahr, die sich wundersam vermehrten oder Margeriten, die ich so mag, dass sie meinethalben auch den ganzen Garten "befallen" dürften.

Natürlich wächst hier auch ein Haufen Zeug, bei dem ich weniger laut "Hurra" rufe. Springkraut, zum Beispiel oder Disteln. Auch Giersch wuchert, als gäbe es kein Morgen. Letzteren allerdings kann man prima für Kränze verwenden oder, was ich nächstes Jahr endlich versuchen werde, Pesto aus den jungen Blättern machen. Eigentlich reiße ich aber auch anderes nicht automatisch aus. Denn so mir gefällt, wie es blüht, stelle ich es in eine Vase und dekoriere damit den Gartentisch. Mit Unkraut also. Hallo-o.

Eine wilde Pflaume ist ebenfalls ganz von alleine in unserem Garten eingezogen. Schneidet man sie nicht alle zwei Jahre radikalst zurück, wird sie höher als das Haus. Es ist ihr auch wurscht, ob es von Februar bis Mai regnet, wenn sie duftend blühen will, blüht sie duftend. Und selbst wenn in diesem Zeitraum nur eine einzige regenbeschirmte Biene um sie schwirrt, trägt sie dennoch im Sommer Hunderte von Früchten. Ein Hund, die Pflaume.

Die familienfreundlichen Instagram-Follower wissen es bereits - gestern habe ich Marmelade aus den wilden Pflaumen gemacht. Mit Lavendel und Vanille.

Pflaumenmarmelade mit Lavendelblüten und Vanillemark, genauer gesagt. 

Augen zu, Mund auf!









Für die Marmelade braucht man:


2 Kilo Pflaumen
2 Pakete Gelierzucker 2:1
2 Vanilleschoten
Blüten von ca. 15 Lavendels



Und so hab ichs gemacht:


Die Pflaumen entsteinen. 

Die Küchenarbeitsplatte und die dahinterliegende Wand von Saftspritzern befreien.

Die Pflaumen zusammen mit dem Mark der Vanilleschoten und den Lavendelblüten in einem großen Topf pürieren. (Der Topf, liebe Freunde der gepflegten Küchenunterhaltung, muss mindestens, MINDESTENS doppelt so groß sein, wie die Menge der zu verarbeitenden Früchte. Glaubt das einfach einer schon alles, ALLES erlebt habenden Marmeladenmacherin.)

Den Gelierzucker dazugeben und nach Packungsanweisung kochen.

Die Vanilleschoten habe ich mitgekocht und sie vor dem Abfüllen der Marmelade in sehr saubere Twist-Off-Gläser entfernt.

Die Marmelade ist trotz zuckersüsser Original-Früchte verarbeitet relativ sauer. Welche chemische Reaktion dem zugrunde liegt, will ich überhaupt nicht wissen. Ich mag sie nämlich trotzdem. 
Allerdings werde ich mit ihr alsbald auch die ein oder andere Backware füllen, weil ich mir beispielsweise Scones sagenhaft lecker damit vorstelle!






 
Das Schwierige an der Hundepflaume ist, dass selbst die Mädchen mit ihrem zu Taschengeldaufbesserungszwecken installierten Straßenstand, 8 Gläser Marmelade und immer eine volle Schale davon auf dem Tisch ihr Fruchtvorkommen nicht im geringsten dezimieren konnten.

Mit anderen Worten: WAS MACH ICH NUR MIT DEN ANDEREN TAUSEND PFLAUMEN?

Und, viel wichtiger, mit den Babypflaumenbäumen, die überall in unserem Garten wachsen? Ich schwöre, dass jeder ausgespuckte Kern, ganz wildesüberlebenskünstlerobstgemäß, über Nacht aufgeht und ich, passe ich nicht auf und reiße die Schösslinge rechtzeitig heraus, am Ende des Jahres durch einen Pflaumenwald wandeln kann!

Ich würd euch ja einladen, zum Pfücken und Graben. Aber ich hab den Garten nicht aufgeräumt. ;)





Alle(s) Liebe -
San







Samstag, 5. Juli 2014

Quinoasalat - ein selektives Mittagessen...








Schon mal was von "selektiver Nahrungsaufnahme" gehört? Bestimmt. Allerdings hat dieser Begriff in meinem Fall keineswegs etwas mit Dinosauriern zu tun, sondern mit einer ganz anderen, ganz besonderen Brut. Der meinen nämlich. "Selektive Nahrungsaufnahme" beschreibt die Fähigkeit meiner Kinder, aus dem von ihrer Mutter liebevoll zubereiteten Mittagessen nur die Zutaten herauszupicken und zu essen, die sie fast mit ohne deutlich wahrzunehmenden Würgegeräuschen zu schlucken mächtig sind.

Gestern gabs Quinoasalat. Für mich. Für den Sohn gabs Zucchini, für die Tochter Oliven und für das Kleinste Birne. 




Dazu braucht man:

300 g Quinoa
1 Schale in Öl eingelegte, getrocknete Tomaten
4 mittelgroße, frische Tomaten
1 Glas Oliven
1 Schafskäse (muss nicht)
2 kleinste Zucchini
1 handvoll Rukola
1 Birne



Für das Dressing (Mit ohne richtigen Mengenangaben...)

1 guten Schuss Weissweinessig
1 TL Salz
1 EL Zucker
1 Schuss Balsamico 
Pfeffer aus der Mühle

(Anders: einfach ein ganz schlichtes Salatdressing, wie man es mag!)



Und so hab ichs gemacht:


Quinoa waschen und in 650 ml Wasser aufkochen und ca. 15 Minuten köcheln, anschließend noch 5 Minuten quellen lassen.

Die Fragen der Kinder, was DAS ist, sowaswieCouscouswomöglichOhGott, neutral beantworten.

Während der Quinoakocherei Zucchini würfeln und für eine Minute blanchieren.

Die getrockneten Tomaten in feine Streifen schneiden. Das Öl auffangen, es wird kein zusätzliches für den Salat benötigt.

Den Rucola waschen und gut ausschütteln, in Stücke reißen.

Den Schafskäse würfeln.

DIE FRAGEN DER KINDER, OB  D A S  DENN JETZT WIRKLICH AUCH NOCH DA REIN GEHÖRT, GÄNZLICH IGNORIEREN!!

Die frischen Tomaten würfeln. (Das schreib ich zwar, kann ich aber nicht. Wie zur Hölle würfelt man eine runde Tomate, ohne die Hälfte davon als unbrauchbar wegzuwerfen?? Ich mach Achtel, die ich halbiere. Das nennt man auch Küchenmathematik. ;)) )

Ich wollte noch ein wenig mehr Süsse im Salat, ohne Zucker oder Honig verwenden zu müssen und habe deswegen eine reife, aber nicht weiche Birne genommen, die dekorativ neben der Salatschüssel lag. Das. Schmeckt. Irre. Gut. Wer hätte das gedacht.

Die Birne würfeln. (Haha.)

Das Dressing zubereiten.

Alle Zutaten, auch das Dressing, OHNE den Rucola und Quinoa in einer Schüssel vermengen. 

Jetzt Quinoa unterheben.

Am Ende den Rucola, weil der so schnell wärmebedingt welkt.

Die Oliven nach Bedarf dazugeben, ich habe sie extra dazugestellt.

Den Salat lauwarm servieren.

Müttern schmeckt das ausgezeichnet. GANZ AUSGEZEICHNET!








Nicht, weil sie so fürchterlich während des Mittagessens leiden mussten, meine schrecklichen armen Kinder, habe ich am Abend, während die Welt Fussball kuckte, Stockbrot mit ihnen gemacht und Würstchen gegrillt, sondern weil mir Saharasand vorgegaukelt  hat, es zöge ein Gewitter auf. Die gepackten Badesachen ließen wir stehen und kauften eine Teigmischung für körniges Vitalbrot. Oder so ähnlich. ;) Seit die Chefin des Hofes nämlich, auf dem meine Tochter ihren Geburtstag feierte, für das Stockbrot am Ende des Festes nicht Hefeteig, sondern Teig für Bauernbrot verwendete, bin ich umgeschwenkt. Auch wenn ich diesen, anders als Hefeteig, nicht selbst mache. "RichtigesBrot-Teig" schmeckt, knusprig und warm, einfach so, so gut!






Vor ein paar Wochen hat mich übrigens das Fräulein im Glück angeschrieben. Es plante einen Sammelpost mit sommerlichen Spielideen, von mir und einer Menge anderer, wundervoller Bloggerinnen. Herausgekommen ist ein grandioser Beitrag mit 14 (!!) einfachen Spielideen für einen entspannten Sommer, fast ganz mit ohne dafür vorher etwas kaufen zu müssen! 

Hüpft da doch mal vorbei! Und wenn ihr die Miniteiche mit euren Kindern gebaut habt, könnt ihr direkt danach den Feuerkorb fürs Stockbrot anwerfen... ;)





Wenn ihr grade schon so schwungvoll springt, tut das doch auch in die Richtung von Instagram. Da hat nämlich auch Familienfreundlich seit neuerdings, genauer seit dem 1. Juli, einen Account. Und die ersten sind schon da! Hurra! :) 

Bislang kann man dort anhand entzückenden Bildmaterials raten, was ich aus Treibholzstücken zu bauen gedenke, wie man sechs Kinder haben kann, ohne sie zu kriegen und wieso es schwierig ist, meine Tochter morgens beim Wecken in ihrem Bett zu finden.  

Zwar kann ich grade keine Bilder hochladen, aber was, wenn wieder! Was ihr verpassen würdet! Nicht auszudenken!!

Ich schließe mit einem dritten Tipp.

Angenommen, ihr braucht Stöcke für das zu machende Stockbrot. Angenommen, ihr entdeckt Kirschbaumzweige auf dem Grünzeugabladeplatz, auf dem ihr auch sonst oft Naturmaterial findet. Angenommen, die frisch dort abgelegten Äste (Hab zugekuckt, als.) haben noch eine Menge Zweigleins und Blätter dran. 

Entfernt niemals,  n i e m a l s, wenn ihr zuvor die überflüssigen Zweigleins und Ästchens mit der Gartenschere abgezwickt habt, die ebenfalls überflüssigen Blätter mit der blossen Hand, indem ihr am Ast entlang fahrt. Es könnte sonst nämlich sein, dass ihr euch den Zeigefinger von einer Fingerkuppenseite zur anderen dabei aufreisst. Ja, das könnte es! Das blutet dann vielleicht! Und tut womöglich weh wie verrückt! WER WILL DAS SCHON! 

Mein Mann hat sehr konzentriert gekuckt, als ich ihm davon erzählte. Und geantwortet, das läge mit Sicherheit daran, weil ich nie bei den Pfadfindern war.




...





Das war sehr nett von ihm. Ich fürchte aber, das ist es nicht.








Alle(s) Liebe - 
San-die-trotzdem-Feuer-machen-kann.-Immerhin.


 




Dienstag, 1. Juli 2014

How to flecht a Blumenkranz fürs Haar? So!







Kennt ihr die? Die Issesdennwah-Situationen? Und das unbestimmte Gefühl, dass einem dabei einer zusieht? Einer, der die Fäden in der Hand hält, bzw. ein rotes Knöpfchen, auf das er drückt und dabei "HA! Ich will sehen, was sie sich als Plan D ausdenkt!" brüllt?

Jap. Ich auch.

Die Bildermachereigeschichte von meinem Kommunionkind gehört hier einsortiert. Anfang Mai feierte meine Tochter ihre Erstkommunion. Am Muttertag, genauer gesagt. An diesem Tag war es nach sehr langer Zeit mit frühsommerlichen Temperaturen endlich wieder windig und regnerisch. *ironieaus 

Das Bildermachen im örtlichen Schloßpark haben wir daher auf die Woche danach verlegt, die dann allerdings auch nicht besonders trocken war, weswegen ich unser Vorhaben noch einmal um ein paar Tage verschieben musste.

Dann wurde es heiß.

Sehr heiß.

So heiß, dass das Kommunionkleid mit Strumpfhosen, dem Jäckchen und darüber dem liturgischen Gewand inklusive aller weiteren Utensilien nur am Abend buchstäblich zu ertragen gewesen wären. 

Abends ist aber das Licht weg. Das haben Abende nämlich so an sich.

Die Außentemperaturen regulierten sich nach einigen weiteren Tagen schließlich auf ein angenehmes Ende-Mai-Maß. Dann sagte die Tochter plötzlich ständig "Wie bitte?" und "Was hast du gesagt?" und "Ich kann dich nicht verstehen!". Und fuhr an mir vorbei, mit ihrem Roller, obwohl ich nach ihr gerufen hatte. Und sah mir auf den Mund, wenn ich mit ihr sprach. Und bat letztlich selbst "Mama. Ich denke, ich möchte zum Arzt.".

Einen beidseitigen Paukenerguss stellte er fest, der Arzt, von einer Mittelohrentzündung herrührend, die vor Wochen unerkannt geblieben war und sich selbst geheilt hatte. 

Weder hatte das Kind in letzter Zeit Fieber, noch Schmerzen oder war sonst irgendwie gesundheitsauffällig, dennoch machte ich mir große Vorwürfe. Das Mamahättedatspürensollen-Dings. Ihr wisst Bescheid.

Fast zwei weitere Wochen sollten vergehen, bevor wir die Bilder zur Erinnerung und für die Grußkarten für all die herzliebsten Wünscher und Schenker und Aufmerksamseier gemacht hatten.

Dass sich in diesen zwei Wochen auch das Kleinste sehr erkältete und diese Erkältung auch ein Ohr betroffen hat, muss ich nicht dazusagen, oder? Und dass es so schön wurde, dass ich mit den Kindern ins Freibad gehen wollte, was uns aber untersagt war, weil die Köpfe der Mädchen nicht unter Wasser sein sollten, auch nicht, oder? Und dass deshalb auch ein Planschbecken oder der Gartenschlauch bei 30 Grad im Schatten keine Option waren? 

Nö. Muss ich nicht.

Bei ihrer Erstkommunion jedenfalls trug meine Tochter einen Kranz aus Buchs und Schleierkraut, den ich in der Nacht zuvor band. Die Beschaffung des Schleierkrauts war ebenfalls keine leichte. Ich hab es mündlich vorbestellt. Zweimal sogar. Schließlich wars auch der Muttertagssonntag. Aber immer bekam ich die Auskunft, es sei allzeit ausreichend Schleierkraut in der Gärtnerei vorhanden, weswegen es mir nicht zurückgelegt werden brauche. Ich könne einfach vorbeikommen, am Samstag und soviel mitnehmen, wie ich benötige. Als ich dann am Samstag in die Gärtnerei kam, hieß es "Schleierkraut? Das ist alle!". Na? Genau. Eine Issesdennwah-Situation. Ein Stängelchen Schleierkraut hat man trotzdem noch für mich gefunden. Ein geknicktes, angebräuntes. Für sagenhafte zwei Euro. Issesdenn...

Die vielen Wochen des Darbens hat der Kranz nicht unbeschadet überstanden, weswegen ich für die Fotomacherei einen neuen Kranz binden musste, dessen Entstehung ich für euch bildhaft dokumentierte.

Schon lange wollte ich dieses Making of veröffentlichen. Irgendwie kam aber immer das Leben dazwischen. Nicht nur in echt, auch auf dem Blog.

Das macht aber nichts. Denn erstens soll man die Feste feiern, wie sie fallen und zweitens kann man auch jetzt noch, fernab von Erstkommunionen, erhöhten Blumenhaarkranzbedarf haben. Bei Hochzeiten etwa, oder bei Gartenpartys. Zur Not hebt man sich die Idee für 2015 auf.

Weil ich die Schleierkrautgeschichte nicht wiederholt haben wollte, nahm ich diesmal, was zu der Zeit in unserem Garten wuchs: Giersch und Margeriten.






Und so gehts.



1. Mit dünnem Blumendraht den Kopfumfang messen und durch Verdrehen der Enden sichern. Ganz wichtig: beim Messen einen Finger zwischen Draht und Kopf legen, weil der Durchmesser mit dem gewickelten Grünzeug später kleiner wird.



2. An den Drahtring festen Bindfaden knoten. Damit kann man prima wickeln und er ist angenehmer zu tragen, als Draht, der vielleicht an mancher Stelle auf der Haut liegt.


3. Alle "Zutaten" auf eine Länge von drei bis vier Zentimeter zurechtschneiden. Ein paar Stücke Buchs um den Draht legen, so viele, dass sie den Draht abdecken und drei- oder viermal mit dem Bindfaden umwickeln. Aufgemerkt: nach fest kommt kaputt, deswegen vorsichtig, aber straff ziehen.

Im Wechsel eine Margerite, Buchs und Giersch um den Drahtring legen, dicht an dicht und immer umwickeln.

Jederzeit kann der Buchs auch mit Gänseblümchen, Rosen, Vergißmeinnicht (wenn sie noch blühen, jetzt zu spät), oder jedem anderen Gewächs aus dem Garten kombiniert werden. Im Herbst sieht selbst ein Haarkranz mit kleinen, schon bunten Blättern ENTZÜCKEND aus!



4. So lange wickeln, bis der komplette Drahtring verziert ist. Die Enden des letzten Sträußchens unter die Köpfe des ersten schieben und den Bindfaden nach dem Wickeln abschneiden und verknoten.

Mit schlichten Haarklammern hält der Kranz einwandfrei.




Die Grußkarten hab ich übrigens trotzdem noch nicht gestaltet. Irgendwie kommt mir immer... Issesdennwah.






Alle(s) Liebe -
eure San.












Mittwoch, 25. Juni 2014

Ein Ferientagebuch - Dokumentation nach Art des Hauses { DIY }









Von meinem Sohn gibt es 8 Babyalben. 8 Alben für die Zeit bis zu seinem 7. Lebensmonat.

Ich wiederhole mich kurz.

Vor 11 Jahren habe ich noch primär analog fotografiert und im ersten halben Jahr nach der Geburt meines Sohnes 62 Filme mit je 36 Aufnahmen von ihm gemacht. 99 Prozent dieser Bilder habe ich in Alben geklebt. In 8 Alben, wie gesagt. Ein Portrait vom schlafenden Sohn neben dem Portrait vom schlafenden Sohn aus der gleichen Perspektive, nur mit einer Veränderung des Bildausschnittes um sagenhafte 2 Millimeter, neben einem Portrait des schlafenden Sohnes aus der gleichen Perspektive und mit dem gleichen Bildausschnitt, nur mit einem sich im Schlaf um ein Mü bewegt habenden Fäustchens, neben einem Bild vom schlafenden Sohn mit...

Ihr wisst Bescheid.

Nach diesen ersten 8 Alben habe ich die Bilder von meinem Kind in Kartons gesteckt, die einzelnen Filme nummeriert, auf daß ich sie einkleben werde, wenn Zeit ist.

Ich habe viele Bilder von meinem Sohn in viele Kartons gesteckt.

Auch die Großeltern dieses wundervollen Kindes wurden stets mit Fotos bedacht. Mit Abzügen und gerahmt, nicht nur zu Weihnachten, sondern auch sonst.

Mein Mann merkte ein einziges Mal zart an, ob es denn nicht reiche, ich würde, nur als Vorschlag, sagenwirmal, alle zwei Wochen einen Film machen? Und nur hin und wieder Bilder in 13 mal 18 verschenken? Und dann vielleicht nur drei, vier? Nicht 19? Es sei eventuell sonst auf Dauer finanziell gesehen... 

Dass wir zwei weitere gemeinsame Kinder haben ist der beste Beweis dafür, dass ich ihn trotz dieser eindeutigen und so harschen Kritik an meinem hormonüberfluteten Erstlingsmutter-Alter-Ego am Leben ließ.

Von meiner Tochter gibt es ein Babyalbum. Und Kartons. Und Geburtstagsalben.

Das Kleinste hat kein eigenes Babyalbum. Auch keine Kartons. Ich fürchte wirklich, nicht einmal ein einziges, mickriges Geburtstagsalbum.

Auch die Quantität andersartig themenbezogener Alben reduzierte sich im Laufe der Zeit auf ein Nichts. Kann ich die ersten Familien-Weihnachten noch mit der Hand erblättern, horte ich die bildhaften Dokumente der weiteren lediglich auf Festplatten.

Denn selbstverständlich habe ich auch nach der Umstellung auf die digitale Fotografie weiterhin tausende von Bildern von meinen Kindern und Familienfesten gemacht, aber nicht ein einziges davon abziehen lassen oder sogar in ein Album geklebt. (Fotoalben online zu erstellen, macht mich verrückt. Das mache ich nur, wenn ich sehr, sehr dringend muss. Etwa, weil ich eine Geschenkidee hab.) Nur hin und wieder hab ich einzelne davon vergrößern lassen und gerahmt. Zu wenige, wenn man es genau bedenkt und das auch schon lange nicht mehr.

Material für nicht nur 8, sondern wahrscheinlich für 800 Alben dümpelt also auf einem Terrabyte externer Festplatte vor sich hin.

Auch unsere Urlaube wurden nicht länger von mir ins, gleichsam, Haptische übertragen. 

Wenigstens ein ganz kleines Stück des letzten Urlaubs ist aber zum Anfassen konserviert. Ich hatte in Italien ein kleines Heftchen dabei und daraus während unseres Aufenthalts mit den Kindern ein Ferientagebuch gemacht. Wennse ma kucken wolln?







Jeden Tag haben wir beispielsweise Flyer, Verpackungsstückchen, Kassenbons, das Tagesgeschehen und Begebenheiten, kleine Schneckenhäuser, Strandsand und vieles andere mehr in das Tagebuch eingetragen, eingeklebt oder Bilder zu unseren Erlebnissen gemalt.

Mitgenommen habe ich auch in den vergangenen Jahren immer eine Menge Erinnerungsstücke. Allerdings waren diese Erinnerungsstücke dann nach einigen Wochen im Weg und sowieso wusste keiner mehr etwas mit diesem Kassenbon oder jener Serviette anzufangen oder konnte noch genau darüber Auskunft geben, was wir eigentlich an Tag 4 von 12 gemacht haben. 

Dass wir in den Ferien in der Toskana gefühlt drei Klimazonen zwischen dem Campingplatz und dem Meer hatten und der Weg an den Strand durch ein verstaubtes, fast magisches Pinienwäldchen führte, das auch gut als Filmkulisse hätte herhalten können, wird Dank des Tagebuchs in unseren Köpfen bleiben.











Die Utensilien für das Heftchen packte ich in einen vergleichsweise winzigen Karton, der zwischen all dem anderen Zeug in unserem Kofferraum überhauptst nicht weiter auffiel. Ehrlichwahr!









Das Ferientagebuch ist inhaltlich im Original bei Weitem nicht so langweilig, wie es hier erscheinen mag - aber das Weglassen der Vornamen und privaterer Details reduziert die Menge öffentlich darzureichender Motive immens. ;)









Man kann die Idee des Ferientagebuchs auch ausbauen. Zu einem Sommerferienerinnerungsbuch zum Beispiel, mit allem, was man in den sechs Wochen unternommen hat. Es muss ja nicht immer ein Urlaub sein.

Vielleicht baue ich unser Ferientagebuch auch aus. Mit echten Abzügen von der externen Festplatte.

Hust.







Alle(s) Liebe -
San