Donnerstag, 4. September 2014

Sag zum Abschied leise Servus...







Heute Morgen um 8 fiel der Startschuss für das letzte Kindergartenjahr des Kleinsten, dem jetzt höchstwahrscheinlich stolzesten Vorschulkind der Welt. In zwei Wochen sind dann auch die Sommerferien für die anderen beiden vorbei und für meine Tochter wird das kommende Jahr das letzte Jahr in der Grundschule sein.

Für mich ist das ein guter Zeitpunkt, um mit dem Bloggen aufzuhören. 

Weil "leise" nicht unbedingt zu den Top 5 meiner persönlichen Charaktereigenschaften-Liste zählt, strecke ich an dieser Stelle also den Zeigefinger gen Himmel und brülle "FOLLOW YOUR FUCKING HEART!" - denn das ist er, mein Grund, nicht länger an Familienfreundlich zu schreiben.

Ich widme mich anderem. Vielleicht gründe ich ein Planungsbüro für Kindergeburtstagsfeiern oder ich lerne Italienisch. Womöglich eröffne ich auch einen Online-Shop für, öh, Sachen, oder ich werde Kaffeehausbesitzerin. Eventuell beginne ich ein Architekturstudium, fange doch noch an zu joggen, schreibe ein Buch und, himmelhilf, bezwinge die Bügelwäsche. Es könnte allerdings auch sein, dass ich einfach genauso weitermache, wie bisher. Ich schreibe es nur nicht mehr auf.

Ganz bestimmt aber werde ich irgendwo sitzen und meinen drei Kindern beim Sein zusehen. Dem Kleinsten beispielsweise dabei, wie es sich auf einem der schönsten Flötotto-Stühle aus den 70ern, die mir meine Beste am Wochenende geschenkt (!!) hat, direkt neben mir dreht wie auf einem Karussell, während ich versuche, ein Bild für den letzten Post zu machen.




Ich werde also nicht mehr zu ergoogeln, sondern nur noch in echt zu treffen sein. Beim Schweden beispielsweise, oder im Buchladen, in der Papeterie oder verwirrt vor dem Regal im Supermarkt, in dem bis gestern noch die liebste Feigensenfsosse stand, auf dass ob der steten Umräumerei von Kunden wie mir beim Einkaufen gleichzeitig auch etwas zur Demenzprävention getan werden kann.

Eine einzige, technisierte Kontaktmöglichkeit bleibt aber  - familienfreundlich-blog@web.de - für Angebote zur Vertonung von Kinderbüchern oder für den Fall, dass sich endlich jemand erbarmt und eine Küchenmaschine in meine liebevollen Hände abgeben mag.

Es war mir die letzten dreieinhalb Jahre ein außerordentliches Vergnügen, euch zu unterhalten. Ihr wart mir eine grandiose Leserschaft.

Danke für alles. 



Alle(s) Liebe - 
San 








Samstag, 26. Juli 2014

Bücherliebe - Im Garten der Pusteblumen...






Uiuiuiuiui. Das wird schlimm, ganz schlimm. Wenn der Zeitpunkt kommt, ab dem auch das Kleinste zu groß für Kinderbücher ist. Wenn alle meine drei Kinder selbst lesen können und das auch wollen, für sich, nämlich Ella oder Pfärdäbücher oder Greg und ich deswegen nicht länger mit zugehaltener Nase "Kamfu mir helfen" vertonen darf oder die fiese Echse mit Patenstimme beim Superwurm oder mit rotem Kopf "NIE IM LEBEN WERD ICH EUCH MEINE TOCHTER GEBEN!" brüllen kann. 

Wobei... Letzteres könnte vorkommen, durchaus. Öh. 

Wenn meine Kinder also jedenfalls nur noch mit viel Glück vorgelesen haben möchten, das dann aber nicht länger Bilderbücher betreffen wird, wird das schlimm. Ein Leben ohne neue Vorlesekinderbilderbücher. Ganz schlimm wird das. 

Self-fulfilling prophecy? Mitnichten! Der automatische, der selbstverständliche, der nicht beeinflussbare Lauf der Dinge!

Gelegentlich muss ich mir mehr einreden, dass es ganz toll ist, wie groß meine Kinder schon sind, als dass ich es wirklich fühle. Wie toholl, so selbstständig. Aus dem Gröbsten raus. Dass jedes Alter seine Besonderheiten hat, seine schönen Besonderheiten. *mantraende

Was mache ich bloss, wenn sie erst wirklich alt sind, meine Kinder? So... 14? Wird das Vorsagen dann auch noch helfen?

Natürlich ist es praktisch, dass ich vieles alleine mit ihnen unternehmen kann, mittlerweile auch Gefährliches wie baden gehen oder Unübersichtliches wie Erlebnisparks. Nicht, dass ich das wollte, aber meistens muss ich und jetzt funktioniert das auch problemlos. Selbstverständlich bin ich stolz, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin und sich jemand umdreht, um sich zu vergewissern, dass diese grandiosen, großen drei auch wirklich alle zu mir gehören.

Dennoch ist es tatsächlich hin und wieder notwendig, es mir selbst vorzusagen, das Toholle, damit ich es annehmen kann - aus gutem Grund!

Weiß ich doch sehr genau, dass sie sich unaufhaltsam zum eigenen Leben hin entwickeln, meine Kinder. Das soll so, klar soll das so, aber derart rasant? Da kommt doch keiner mit! Trotz der vielen, unbestritten positiven Neuerungen im "Werden" meiner Kinder gibt es nämlich zeitgleich genau so vieles, das zurückbleibt, das im Zuge des Wachsens unwiederbringlich verloren geht. Und zum Loslassen, ich gebe es unumwunden zu, bin ich eben bisweilen nur sehr bedingt bereit.

Aber man kann ja nicht noch ein viertes Kind bekommen, nur weil das so gut duftet und in den ersten Wochen dieses entzückende, quäkige Babyweinen weint und weil es so lustige Dinge sagt, wenn es zu sprechen beginnt und wegen der Kindergeburtstage, die man zu Hause gestalten darf und wegen der Bilderbücher. Oder? Kann man?

Eine Weile werde ich auf alle Fälle noch festhalten dürfen, an den Kinderbüchern und am Vorlesen, immerhin. Das macht mich umso froher, zumal die Bücher sind, wie meine Entdeckung der Woche und obwohl bereits 2013 erschienen, für mich gleichzeitig DIE Kinderbuchentdeckung dieses Jahres: "Im Garten der Pusteblumen", poetisch geschrieben von Noelia Blanco und atemberaubend schön illustriert von Valeria Docampo.

Mein lieber Mann.

Selten habe ich ein derart hinreißendes Kinderbuch in Händen gehalten. 

Ein Buch, das man nicht brüllen kann. Oder das wie andere mit verstellter Stimme und Händen und Füßen vorzulesen ist. Das ist ein Buch, das man flüstert. Ganz unabsichtlich...


Der Klappentext:

"Im Tal der Windmühlen lebten Männer, Frauen und Kinder, genau wie überall. Bis eines Tages die Perfekten Maschinen kamen. Die Bewohner des Windmühlentals mussten nur auf einen Knopf drücken, um in einer perfekten Welt zu leben. Perfekt und langweilig. So kam es, dass alle aufhörten zu wünschen. Alle, bis auf Anna..." 

Die Menschen im Windmühlental brauchten die Sternschnuppen nicht länger zum Erfüllen ihrer Wünsche und vergassen sogar die alten Windmühlen und den Wind, der sie drehte. So kam es, dass der Wind aufhörte, zu blasen.

Nachts, wenn alle anderen schliefen, blieb einzig die Schneiderin Anna wach und sie, der noch immer einer der im Herzen des Tals schlummernden versteckten Wünsche gehörte, traf in einer dieser Nächte auf den Vogelmann und - dessen Herzenswunsch...

Wie bringt man einen Riesen zum Fliegen, als wäre er eine Feder? 



Herausgegeben wurde "Im Garten der Pusteblumen" vom Mixtvision Verlag.

Ein Verlag, der ganz offensichtlich ein Händchen für ausgesprochen besondere Bücher hat. Mein Sohn teilt sich sein Zimmer mit "Stuart Horten", dem letzten Post, einem wie ich finde sehr berührenden "Kurz und k(n)ackig", liegt eines der Lieblingsbücher des Kleinsten zugrunde, nämlich "Wolkenbrot" und auch einen weiteren familieneigenen all-time favorite aus diesem Haus habe ich bereits vor einiger Zeit hier vorgestellt: "Die große Wörterfabrik".

Vielleicht hat mich "Im Garten der Pusteblumen" auch deswegen bereits nach einer Millisekunde angesprochen, weil es wie die Wörterfabrik von Valeria Docampo illustriert wurde. Unfassbar, dass jemand so zeichnen kann. Aus jedem einzelnen ihrer Bilder strahlt sie einem förmlich entgegen - die pure Herzenswärme. 

Derzeit kann man übrigens für "Die große Wörterfabrik" beim The Beauty and the Book Award abstimmen: Die schönsten Bücher aus aller Welt treffen sich auf der Frankfurter Buchmesse 2014. Vom schönen Buchdetail über das beste Layout, den tollsten Schriftsatz bis hin zum gelungensten Cover oder der überzeugendsten Grafik wird gewählt.

Und dazu möchte ich doch an dieser Stelle in aller Deutlichkeit aufrufen! :)


 
Bei der nächsten Pusteblume werde ich mir, abschließend, vielleicht wünschen, dass ich noch ganz lange neue Kinderbücher kaufen darf. 

Oder vielleicht kann ich das "vielleicht" sogar weglassen. Denn wenn ich meinem Sohn zusehe, wie er mit nackten Schuhgröße-40-Füssen auf dem Sofa liegt, "Im Garten der Pusteblumen" liest, mit einem Lächeln im Gesicht und wie er das Buch mit den Worten "Och. Das ist aber schön!" zuklappt, könnte ich doch einfach damit weitermachen. Sogar für immer. Es hat mir schließlich niemand vorzuschreiben, welche Bücher ich kaufe. Und für wen. Denn ein richtiges Kinderbuch ist "Im Garten der Pusteblumen" sowieso nur bedingt. Eigentlich nämlich sollte dieses Zauberwerk jeder haben. Um über das Cover zu streichen. Und es lesezuflüstern. Auch im fortgeschrittenen Alter, also nach 14. Und man sollte es wirklich auch ganz dringend verschenken an alle, die man mag. 

Da ich jetzt also einen Wunsch frei habe, kann ich mir bei der nächsten Pusteblume das Kleid von Anna wünschen. Oder, so zeichnen zu können wie Valeria Docampo.

Wer weiß.






Alle(s) Liebe -
San







Sonntag, 20. Juli 2014

Sonntagsmusik! Paolo Nutini singt den Sommerabend...








Ich empfinde es zunehmend als irritierend, dass meine Erzählungen immer häufiger mit der Formulierung "Vor vielen Jahren..." beginnen. 

Noch diesen Monat werde ich 35 und selbstverständlich ist es in diesem Alter nur natürlich, das ein oder andere bereits erlebt zu haben. Allerdings beunruhigt mich, wie locker ich mittlerweile Zurückliegendes mit Hilfe von 10- oder sogar 15-Jahres-Schritten datieren kann. Noch viel beunruhigender, fast schon verstörend finde ich in diesem Zusammenhang etwas anderes: nicht die Tatsache, in Kürze 35 zu sein alarmiert mich, sondern die Erkenntnis, dass dem unweigerlich ein ganz besonderer 15er-Schritt nach vorne folgt: der zur 50. 50!!

Krass.

Ich komme nicht umhin, für die heutige musikalische Empfehlung den oben beschriebenen Terminus dennoch zu nutzen:

Vor vielen Jahren (KRASS! 50!!) hat mich "These streets" von Paolo Nutini durch einen grandiosen Spanien-Urlaub begleitet. Um Nummern wie "New shoes" oder "Jenny don´t be hasty" zu kennen, muss man die 2006 erschienene Platte nicht haben. Für "Autumn" oder "Last request" jedoch schon.




Herrn Nutini das erste Mal unbesehen hörend war ich sicher, einem Mann im dritten Frühling zu lauschen. Die Statur eines Cousins zweiten Grades von Luciano Pavarotti, das Gesicht des Zwillingsbruders von Mario Adorf in den 90er Jahren. 

Dann habe ich Bilder von ihm gesehen.

Hui.

Das Album war gekauft.

Hu-i.

Kann man, wenn man diese warme, volle, tragende und voluminöse Stimme hört glauben, dass der Mann erst 1987 geboren wurde? 2006, bzw. 2007, als Paolo Nutini für mich den Sommer sang, war er gerade 19 Jahre alt. 

2009 erschien sein zweites Album: "Sunny side up". Das habe ich verpasst. 2009 bekam ich mein drittes Kind. In diesem Zeitraum entging mir wahrscheinlich mehr als diese eine Platte.

In den vergangenen 8 Jahren hatte ich mir "These streets" zwar immer wieder ausgesprochen gerne angehört, fühlte ich mich dabei doch sofort in den Sommermodus versetzt - leicht, entspannt, zufrieden, aber auf die Idee herauszufinden, ob es noch mehr Nutini gäbe, kam ich trotzdem nicht.

Im Frühjahr sah ich ihn dann zufällig in einer Werbepause auf einem Privatsender. Paolo? Echt jetzt? Gabs den überhaupt noch? 



Oh. Ja. Und wie es ihn gibt!

Zugegeben, in "Caustic love" musste ich mich anders als bei Nutinis Erstling zunächst einhören, mich langsam an die bisweilen eigenwilligen und für mich eigentlich zu rockigen, nichtsdestotrotz so souligen Rhythmen gewöhnen. Für mich ist "Caustic love" keine Platte auf das erste Ohr. Jetzt aber könnte ich mir einen Sommerabend ohne sie nicht mehr vorstellen.





Wenn ich Ihnen also heute Schnuckelchen Paolo Nutini ins Gehör und damit automatisch ans Herz legen darf? Dann fangen wir mit
 

an. Und setzen "Better man" und "Iron sky" obendrauf.

Der akustische Sommer. Vertont von einer Stimme, die sich mit 27 anhört, als habe sie schon alles erlebt. So, als erzähle sie die Welt.

Danke, Paolo.




Habt. Es. Großartig.
Alle(s) Liebe - 
San









Dienstag, 15. Juli 2014

Ein marmeladiger Gartenpost. Mit Unkraut. Aber vor allem mit { Wilder Pflaume, Lavendel und Vanille }. Oohh, mmmmhh.









Das Tragische an unserem Garten ist nicht, dass er klein ist.

Das Tragische an unserem Garten ist sein ungenutztes Potenzial.

Klar kann ich darauf kein Gewächshaus in der Dimension wie das meines trotz der Hasengeschichte (!) zauberhaften Bruders, seines Zeichens Schreiner, Landschaftsgärtner und seit neuerdings bei einem Steinmetz beschäftigt, aufstellen. Ein Gewächshaus aus anthrazitfarbenem Stahl mit der Quadratmeterzahl eines durchschnittlichen deutschen Kinderzimmers. Ein Gewächshaus mit zu öffnenden Dachflächenfenstern. Ein Gewächshaus mit einem Aufgang und Trittplatten aus Granit und buchskugelumrandet, in dem, überflüssig zu erwähnen, alles wächst, was man sich nur wünschen kann. Selbst lila Tomaten und eine lustige, u-förmige Gurke, die letztes Wochenende den Weg zu uns gefunden hat, längst verputzt wurde und bei deren Anblick das Kleinste verzückt "Oh! Die sieht ja aus wie ein PFERDEREIFEN!" rief. ("Technisiertes Landkind" nennt man sowas. ;) )

Selbstverständlich beneide ich, ganz zauberhafte Schwester, den Bruder deswegen nicht. Kein bisschen. Also, kein kleines bisschen nicht. Ole, bayerische Doppelverneinung. 

Aber zumindest ein Hochbett? Und Beerensträucher? Und Kräuter? Und Spalierobst statt des Weines? Das könnte er, der kleine Garten, theoretisch durchaus.

Ideen zur Gartengestaltung hab ich nämlich schrillionenfach. Ich wüsste genau, wie er auszusehen hätte. Wie ich das ungenutzte Potenzial in ein wenigstens kulinarisches Stück Altersvorsorge verwandeln könnte. 

Das mache ich auch. Irgendwann. Gleich, nachdem ich einen Minibagger gemietet und das Moos durch Rasen ersetzt habe. Und Beete angelegt und Rasenkanten gesetzt wurden und alles, was auf und um unser Fleckchen Wiese teils seit 1899 der Sonne entgegenstrebt, versetzt oder ausgegraben wurde, weil der Garten nicht eben neu angelegt, sondern seit zig Jahren ergänzt oder geplättet und im Lauf der Jahrzehnte von vielen verschiedenen Gärtnern gestaltet worden ist. Gleich danach!

Bis dahin bleibt er, der Konjunktiv. Dummerweise bräuchte ich nämlich nach dem Minibagger für die Umsetzung der vorsorglichen Einmach-Ideen mindestens vier Wochen Zeit. Am Stück. Ohne anderes. Und dreimal so viele Euros, wie diese Wochen Stunden haben. Das macht es schwierig.

Stattdessen setze ich hier ein Buchshecklein und pflanze dort eine Pfingstrose, verlege da eine Begrenzung aus alten Ziegelsteinen und stehe ansonsten rum, genieße, ehrlichwahr, was ich jetzt bereits Wunderbares habe und stelle mir dennoch vor, was wäre, wenn.

Wie unser Garten übrigens anfangs, vor über hundert Jahren, ausgesehen hat, weiss ich leider nicht. Anders als von unserem Haus, vor dem früher längst gefällte Kastanien standen und das zweiflügelige Fenster mit Oberlichten und ein Treppenhaus dort hatte, wo jetzt unsere Küche ist, gibt es davon kein Bildmaterial. Vor sechzig Jahren aber war das Gärtchen Erzählungen zufolge ein Rosengarten. Noch immer wachsen ungepflegte wilde, gefüllte und ungefüllte Bauernrosen in ihm und im Innenhof blüht bis November ein fast 50 Jahre altes Exemplar, das nach Zitrone duftet.

Von dem, was ich, und an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, wie bedeutsam diese Entwicklung bei jemandem ist, der sich zu WG-Zeiten alle drei Monate für 9 Mark 90 (!) einen Dreierpack Zimmerpflanzen in der Papiertüte aus dem Baumarkt geholt hat, von dem jedenfalls, was ich erfolgreich selbst gepflanzt habe ganz abgesehen, macht unser Garten vieles selbst. 

Kein Scherz.

Der Läuseholunder hat sich beispielsweise von alleine ausgesamt. Logisch. Schließlich hätte ihn  n i e m a n d  freiwillig an die äußere Ecke einer alten Garage IN EINE PFLASTERFUGE gesetzt, wo er weder genug Erde und somit Wasser hat, was den Läusebefall erklärt, noch Platz, was wiederum erklärt, weswegen man das Garagentor nicht mehr öffnen kann. 

Manchmal entdecke ich, entzückt, an neuen Stellen in unserem Garten Akeleien oder Veilchen, die sich selbst verbreitet haben, Traubenhyazinthen und Tulpen im Frühjahr, die sich wundersam vermehrten oder Margeriten, die ich so mag, dass sie meinethalben auch den ganzen Garten "befallen" dürften.

Natürlich wächst hier auch ein Haufen Zeug, bei dem ich weniger laut "Hurra" rufe. Springkraut, zum Beispiel oder Disteln. Auch Giersch wuchert, als gäbe es kein Morgen. Letzteren allerdings kann man prima für Kränze verwenden oder, was ich nächstes Jahr endlich versuchen werde, Pesto aus den jungen Blättern machen. Eigentlich reiße ich aber auch anderes nicht automatisch aus. Denn so mir gefällt, wie es blüht, stelle ich es in eine Vase und dekoriere damit den Gartentisch. Mit Unkraut also. Hallo-o.

Eine wilde Pflaume ist ebenfalls ganz von alleine in unserem Garten eingezogen. Schneidet man sie nicht alle zwei Jahre radikalst zurück, wird sie höher als das Haus. Es ist ihr auch wurscht, ob es von Februar bis Mai regnet, wenn sie duftend blühen will, blüht sie duftend. Und selbst wenn in diesem Zeitraum nur eine einzige regenbeschirmte Biene um sie schwirrt, trägt sie dennoch im Sommer Hunderte von Früchten. Ein Hund, die Pflaume.

Die familienfreundlichen Instagram-Follower wissen es bereits - gestern habe ich Marmelade aus den wilden Pflaumen gemacht. Mit Lavendel und Vanille.

Pflaumenmarmelade mit Lavendelblüten und Vanillemark, genauer gesagt. 

Augen zu, Mund auf!









Für die Marmelade braucht man:


2 Kilo Pflaumen
2 Pakete Gelierzucker 2:1
2 Vanilleschoten
Blüten von ca. 15 Lavendels



Und so hab ichs gemacht:


Die Pflaumen entsteinen. 

Die Küchenarbeitsplatte und die dahinterliegende Wand von Saftspritzern befreien.

Die Pflaumen zusammen mit dem Mark der Vanilleschoten und den Lavendelblüten in einem großen Topf pürieren. (Der Topf, liebe Freunde der gepflegten Küchenunterhaltung, muss mindestens, MINDESTENS doppelt so groß sein, wie die Menge der zu verarbeitenden Früchte. Glaubt das einfach einer schon alles, ALLES erlebt habenden Marmeladenmacherin.)

Den Gelierzucker dazugeben und nach Packungsanweisung kochen.

Die Vanilleschoten habe ich mitgekocht und sie vor dem Abfüllen der Marmelade in sehr saubere Twist-Off-Gläser entfernt.

Die Marmelade ist trotz zuckersüsser Original-Früchte verarbeitet relativ sauer. Welche chemische Reaktion dem zugrunde liegt, will ich überhaupt nicht wissen. Ich mag sie nämlich trotzdem. 
Allerdings werde ich mit ihr alsbald auch die ein oder andere Backware füllen, weil ich mir beispielsweise Scones sagenhaft lecker damit vorstelle!






 
Das Schwierige an der Hundepflaume ist, dass selbst die Mädchen mit ihrem zu Taschengeldaufbesserungszwecken installierten Straßenstand, 8 Gläser Marmelade und immer eine volle Schale davon auf dem Tisch ihr Fruchtvorkommen nicht im geringsten dezimieren konnten.

Mit anderen Worten: WAS MACH ICH NUR MIT DEN ANDEREN TAUSEND PFLAUMEN?

Und, viel wichtiger, mit den Babypflaumenbäumen, die überall in unserem Garten wachsen? Ich schwöre, dass jeder ausgespuckte Kern, ganz wildesüberlebenskünstlerobstgemäß, über Nacht aufgeht und ich, passe ich nicht auf und reiße die Schösslinge rechtzeitig heraus, am Ende des Jahres durch einen Pflaumenwald wandeln kann!

Ich würd euch ja einladen, zum Pfücken und Graben. Aber ich hab den Garten nicht aufgeräumt. ;)





Alle(s) Liebe -
San